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Beschreibung

Die Theater-Pädagogin und Lehrerin Maike Plath hat fast 10 Jahre an einer Hauptschule in Neukölln gearbeitet. Normaler Unterricht war dort kaum möglich. Sie fing also an, mit den Jugendlichen stattdessen Theater zu machen und hatte damit Erfolg. Die „problematischen Jugendlichen“ zeigten plötzlich, was sie können und was sie über die Welt denken.
Sie fing an ihre Erlebnisse und Konzepte aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Als sie vom Schulamt aufgefordert wurde, „Dienst nach Vorschrift“ zu machen, gab Maike Plath nach 17 Jahren Schuldienst ihre Verbeamtung auf und leitet jetzt mit zwei anderen Frauen den Verein ACT.

„Als ich mich selbstständig gemacht habe, wollte ich nicht allein im ICE sitzen und jedes Wochenende woanders Lehrveranstaltungen geben. Ich wollte weiter mit Jugendlichen arbeiten und dafür sorgen, dass möglichst viele von ihnen eine Stimme bekommen.“ Mittlerweile arbeitet ein Team von 23 Künstlern und Pädagogen nach ihrem Ansatz in ganz Berlin und gibt bundesweit Weiterbildungen für Lehrkräfte und Künstler.
Einige Kinder von damals sind mittlerweile junge Erwachsene und leiten selber Jüngere an. Und jedes Jahr kommen neue dazu…

Rosa von Praunheim hat mit seinem Filmteam (Kamera Elfi Mikesch) über viele Monate 2015 /16 eine Stückentwicklung von Maike Plath – „How long is Paradise“ – am Heimathafen beobachtet.

PRESSEZITATE:
– „Wertschätzung, Respekt und Ernstnehmen. Rosa von Praunheim begleitet die Theaterpädagogin Maike Plath bei einer Produktion ihrer Neuköllner Jugendtheater-Gruppe ACT. Maike Plath war Lehrerin an einem Gymnasium in Schleswig-Holstein, bevor sie 2005 an eine Hauptschule nach Neukölln wechselte. Dort entwickelte sie die Grundlagen ihrer theaterpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen, geriet aber auch mit der Schulleitung aneinander. Sie solle ihre „Privatvergnügungen“ gefälligst außerhalb der Schule betreiben, und ordentlich den Stoff vermitteln, wurde ihr mitgeteilt. Plath verließ den Schuldienst. Ihre Arbeit führt sie heute im Neuköllner Verein ACT e.V. weiter.
Praunheim interessiert sich weniger für Plaths genaue Methode – über die können sich Interessierte aber auch ausführlich in mehreren Büchern, in zahlreichen Tutorials auf Maike Plaths Youtube-Kanal und auf ihrem Blog (link: (maikeplath.de) informieren. Praunheim geht es um Persönlichkeiten, um die von Maike Plath selbst, und um die der Jugendlichen, die bei ACT als Regisseure, Schauspieler und Autoren mitmachen.
Denn die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist das eigentliche Ziel von ACT, und in der Gruppe wird das durch Wertschätzung, Respekt und Ernstnehmen der Einzelnen erreicht. In Praunheims Film ist große Begeisterung zu sehen, vor allem auf Seiten der jungen Neuköllnerinnen und Neuköllner, für die die Mitarbeit bei ACT oft einen echten Wendepunkt im Leben bedeutete. Aber auch Maike Plaths Gesichts beginnt zu leuchten, wenn sie von ihren Schützlingen und deren Entwicklung spricht. Dass eine so partizipative Produktion wie ein Stück von ACT nicht so glatt abläuft wie eine professionelle Inszenierung zeigt der Film ebenfalls. Einmal bleibt eine wichtige Darstellerin am Tag der Generalprobe weg. Sie habe einen Zusammenbruch gehabt, sagt sie am Telefon. Am nächsten Tag ist sie wieder. Alles okay, ich war nur gestern nur etwas nervös, sagt sie“. – (Indiekino / Hannes Stein)

– „Rosa von Praunheim porträtiert ein ungewöhnliches Theaterprojekt im Heimathafen Neukölln.
Viele von Rosa von Praunheims Dokumentarfilmen – vom legendären „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von 1971 bis zum Ralf-König-Porträt „Der König der Comics von 2012 – gehören zum Besten, was der unermüdliche Filmemacher in über vier Jahrzehnten seines Schaffens gedreht hat. Der Vorkämpfer für die Rechte von Schwulen kann eine überaus wache Aufmerksamkeit für Menschen und Themen um ihn herum entwickeln. Seine Fähigkeit, unterschiedlichsten Gesprächspartnern auf Augenhöhe zu begegnen und sich wirklich für sie zu interessieren, öffnet dem Zuschauer oft den Blick in unbekannte Welten. In „Act! Wer bin ich?“ porträtiert der 74-Jährige nun mit genau dieser Sensibilität ein Hoffnung machendes Projekt in Neukölln. Die ehemalige Lehrerin Maike Plath macht am Kieztheater Heimathafen in der Karl-Marx-Straße Theaterarbeit mit Jugendlichen aus dem Bezirk – die meisten aus Migrantenfamilien, für viele ist Gewalt alltäglich, eine behütete Kindheit ist hier eher die Ausnahme.
Was so einfach klingt, ist für die Teilnehmer viel mehr: ein Freiraum, den es sonst nicht gibt in ihrem Leben, ein Ort, wo sie wahrgenommen werden, eine Art Schule fürs Leben. Die Stücke, zu denen die Jugendlichen selbst die Themen finden, verhandeln Biografisches und existenzielle Fragen: Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? Was bedeutet Glaube? In den hier gezeigten Interviews wird deutlich: Die Theaterarbeit fordert die Jugendlichen heraus, ermöglicht einen neuen Blick auf die Welt um sie herum, eine Distanz zu eigenen Mustern und den spielerischen Umgang mit neuen Haltungen. Auf der Bühne kann schließlich auch ein blonder deutscher Junge muslimisch beten. Die riesige Diskrepanz zwischen der Lebensrealität der Neuköllner Jugendlichen und den Zielen des herkömmlichen Lehrplans war für Maike Plath letztlich der Grund, aus dem Schuldienst auszusteigen. Durch die Konzentration auf die Porträtierten kommen im Film allerdings die Hintergrund-Informationen ein wenig zu kurz. Rosa von Praunheim hat ein liebevolles Plädoyer für das Chancen-Geben und für einen anderen Blick auf Menschen, die oft als „Problemfälle“ abgestempelt werden, vorgelegt“. – (ZITTY / Susanne Stern)

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